Studientag 2011: Zu Gast in der Alevitischen Gemeinde Dortmund e. V.


„Wie hältst Du´s mit der Konfession?“ – Diese Frage stellten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Studientages, den die Mitglieder und Freunde von inter religion(e)s – Forum für religiöse Bildung e. V. zusammen mit Angehörigen der Alevitischen Gemeinde Dortmund am 18. Juni im Alevitischen Kulturzentrum Dortmund veranstalteten. Alevitischer Religionsunterricht neben konfessionell christlichem und jüdischen, neben Islamkunde und Unterricht in Praktischer Philosophie bedeutet, sich als Aleviten oder Christen, als Juden oder Muslime, als Buddhisten oder Angehörige der Baha´i zu bekennen und zugleich den Angehörigen der jeweils „anderen“ Bekenntnisse positiv zu begegnen. Gemeinsam stehen wir alle vor der Aufgabe, im „Spannungsfeld von Konfessionalität und Pluralität“ – so der Untertitel der Tagung – junge Menschen so zu unterrichten und zu erziehen, dass sie lernen, selbständig zu urteilen, was ihnen die eigenen religiösen und kulturellen Traditionen bedeuten und wie sie sich mit ihrer Hilfe unter den vielfältig anders denkenden und glaubenden Menschen frei bewegen und orientieren können.

Die alevitischen Gastgeber führten uns, die verschiedenen Religionen angehörenden Mitglieder von inter religion(e)s – Forum für religiöse Bildung e. V., anschaulich und lebendig in die Grundlagen des Alevitentums ein. Eindrucksvoll wurden die problematische Situation der Aleviten in der modernen Türkei und zugleich die positiven Entwicklungen ihrer Gemeinschaft in der Bundesrepublik verdeutlicht. Demnach erscheint es auch in modernen Gesellschaften keineswegs immer selbstverständlich zu sein, das Grundrecht auf religiöse Selbstbestimmung ungehindert ausüben zu können. Desto erfreulicher ist es, dass wir in der Bundesrepublik unsere Bekenntnisse in großer Vielfalt und Freiheit auch öffentlich praktizieren können.

Für den Religionsunterricht in der öffentliche Schule entsteht daraus allerdings eine besondere Herausforderung: Der eigenständige Unterricht in der eigenen Konfession – und das meint „konfessioneller Religionsunterricht“ – muss eng mit einer religiösen Bildung verknüpft werden, die den Schülerinnen und Schülern die Verschiedenheit und Vielfalt der unterschiedlicher Religionen und Bekenntnisse verständlich erschließt, damit sie von ihrem eigenen Bekenntnis her den anders glaubenden und anders denkenden Menschen, mit denen sie zusammenleben, auch verständnisvoll begegnen und sich ihnen gegenüber verantwortlich verhalten können. Gerade konfessioneller, an das eigene Bekenntnis gebundener Religionsunterricht muss diese doppelte Aufgabe wahrnehmen, und das wiederum können wir nur leisten, wenn wir aus den verschiedenen Religionen gemeinsam für eine konfessionelle und zugleich auch religiöse Pluralität erschließende Bildung eintreten.

Das Thema unserer Begegnung in Dortmund: „Wie hältst Du´s mit der Konfession?“ eröffnete den Teilnehmerinnen und Teilnehmern insofern nicht nur den wechselseitigen Blick auf unterschiedliche Bekenntnisformen und Bekenntnistraditionen; es regte sie auch an, über weitergehende Möglichkeiten nachzudenken, den interreligiösen Dialog und die praktische Kooperation untereinander zu vertiefen.

2011-07-04, Eckart Gottwald